Viele IT-Jobs drehen sich um die Unternehmenssoftware aus Walldorf. Die Hochschulen bilden entsprechend aus. Manche bieten SAP-Zertifikate für Studenten – sogar online.
Die Forderung nach SAP-Wissen ist in Stellenausschreibungen für IT-Experten ungefähr so überraschend wie die nach grundlegenden Datenbank- oder Sprachkompetenzen.
Zwei von fünf Jobangeboten setzen Kenntnisse der verbreiteten Business-Software voraus, so der ITJobscout Januar 2009 des Beratungsunternehmens PPI. In Teilbereichen wie Support und Projektmanagement liegt die Quote noch höher, im ITConsulting sogar bei 59 Prozent.
Entsprechend hoch ist die Nachfrage, während des Studiums Teile der weiten Walldorf-Welt kennenzulernen, die ihnen später Berufseinstieg und Karriere erleichtern soll. Mittlerweile kooperieren 240 deutsche Hochschulen mit SAP, sagt Heino Schrader, Director des University Alliances Programm (UA) in Europa, Afrika und Nahost. Von dieser Zusammenarbeit zwischen Lehre und Industrie hätten allein in Deutschland schon 80 000 Studenten profitiert. Was gut ist für die angehenden IT-Profis, schadet freilich auch SAP nicht. Schließlich stellt Europas größte Software-Schmiede so sicher, dass ihre Kunden auf genügend ausgebildete Nachwuchskräfte hoffen können.
Grundlagen und Anwendung
In der Lehre gilt SAP nur als ein Beispiel für ein Anwendungsystem neben anderen wie Navision oder Oracle. Es sei schließlich nicht Aufgabe der Hochschule, die Software eines einzigen Herstellers zu vermitteln, sagt Pouyan Khatami, der an der Universität Duisburg-Essen ein SAP-Schulungsprojekt leitet. Außerdem habe Anwenderwissen eine kurze Halbwertzeit.
„Systeme verändern sich. Wie klicke ich wo – dieses Wissen kann zwar kurzfristig den Weg in den Job ebnen, auf lange Sicht sind jedoch Konzepte und Methoden wichtiger.“
Das Projekt, das Khatami leitet, geht daher einen anderen Weg, das SAP-Wissen wird intensiv, aber als freiwilliger Zusatzkurs vermittelt. „Es gibt eine klare Aufgabentrennung“, sagt Khatami. Die universitäre Lehre bleibe auf langfristige Kompetenzen ausgelegt. Die Zusatzkurse sind aus dem UA-Programm hervorgegangen.
Teilnehmer erhalten das sogenannte TERP10-Zertifikat, das der Softwarehersteller selbst anbietet und das bei Personalentscheidern weltweit anerkannt ist. Es gibt detailliert Auskunft, welche Probleme mit welchem Modul gelöst worden sind.
Informatiker können so zum Beispiel Kenntnisse der SAP-Programmiersprache ABAP nachweisen.
Voraussetzungen
Bisher bietet nur rund ein Dutzend Hochschulen in Deutschland dieses SAP-Spezialprogramm an. Im Gegensatz zu dem einfachen UA-Programm finanzieren sich diese Angebote an den meisten Standorten durch eine Gebühr von höchsten 450 Euro. Was für Studentenohren viel klingt, ist wenig im Vergleich zum Preis, den SAP von seinen Kunden verlangt. Die Universität Augsburg bietet das Programm sogar ohne Zusatzkosten an, bezahlt aus Studiengebühren. Alle Programme sind prinzipiell offen,
sagt UA-Director Schrader. Einzige Zugangsbeschränkung: Die Teilnehmer müssen an einer Hochschule immatrikuliert sein und zwei SAP-Veranstaltungen nachweisen können.
Keine Fehlertoleranz
Das Besondere in Duisburg-Essen: Der Kurs findet online statt. Über fünf Monate können die Teilnehmer mit dem System arbeiten, die Funktionen kennenlernen, Aufgaben lösen. Auch am Wochenende gibt der Tutor Feedback, regt Nachbesserungen an. Das System beschreibt Khatami so: „Wir bilden aus. Den Prüfer schickt SAP.“ Die
Maßstäbe sind streng, für ein Zertifikat müssen die Aufgaben zu 100 Prozent richtig gelöst sein. Schrader zufolge liegt die Durchfallquote im Schnitt bei 25 Prozent. „Die Studenten sollen nicht nur zeigen, dass sie was können, sondern dass sie mit dem System arbeiten können“, ergänzt Khatami. Auf dem Arbeitsmarkt können sich die Chancen mit einem TERP10-Zertifikat durchaus verbessern, berichtet Khatami von Erfahrungen ehemaliger Teilnehmer. „Ob es gut oder schlecht ist, entscheidet jeder Personaler für sich. Aber es ist ein Standard, er weiß, was er da hat.“
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Quelle: Staufenbiel Media GmbH